DACH-Compliance & RechtZuletzt geprüft: 2026-07-30

Peppol

Peppol ist ein internationales Netzwerk mit einheitlichen Standards, über das Unternehmen und Behörden E-Rechnungen und andere Beschaffungsbelege sicher und automatisiert austauschen, ohne für jeden Partner eine eigene Schnittstelle bauen zu müssen.

Peppol ist ein internationales, standardisiertes Netzwerk, über das Unternehmen und öffentliche Auftraggeber elektronische Belege wie Rechnungen, Bestellungen und Lieferavise sicher, strukturiert und automatisiert austauschen. Statt für jeden Geschäftspartner eine eigene bilaterale Schnittstelle zu bauen, schließt sich ein Unternehmen einmal über einen zertifizierten Zugangspunkt („Access Point") an Peppol an und erreicht darüber alle anderen Teilnehmer weltweit. Der Name ist ein Akronym für „Pan-European Public Procurement OnLine"; getragen und weiterentwickelt wird das Netzwerk seit 2012 von der gemeinnützigen Organisation OpenPeppol mit Sitz in Brüssel.

Der Kern von Peppol ist die Kombination aus einem einheitlichen Datenformat, einem gesicherten Transportprotokoll und einem zentralen Teilnehmerverzeichnis. Weil alle Beteiligten dieselben Regeln nutzen, kann ein Beleg ohne Medienbruch vom Sendersystem in das Empfängersystem gelangen und dort direkt weiterverarbeitet werden. Peppol beschreibt damit vor allem den Übertragungsweg und die Rahmenregeln für den Austausch – nicht den Beleg selbst. Ursprünglich für die öffentliche Beschaffung in Europa entwickelt, wird das Netzwerk heute weltweit und zunehmend auch im B2B-Geschäft genutzt.

Auf einen Blick

  • Internationales Netzwerk für den standardisierten Austausch von E-Rechnungen und Beschaffungsbelegen
  • Akronym für „Pan-European Public Procurement OnLine"; betrieben von OpenPeppol (Brüssel)
  • Vier-Ecken-Modell: Sender → Access Point → Access Point → Empfänger
  • Ein Anschluss über einen zertifizierten Access Point erreicht alle Teilnehmer weltweit
  • Transportweg, nicht Belegformat – nutzt Peppol BIS auf Basis der EN 16931

Wie funktioniert Peppol?

Peppol beruht auf dem sogenannten Vier-Ecken-Modell. Der Sender (erste Ecke) übergibt seinen Beleg an seinen Access Point (zweite Ecke). Dieser übermittelt ihn über das Netzwerk an den Access Point des Empfängers (dritte Ecke), der ihn schließlich an das Empfängersystem (vierte Ecke) zustellt. Für den Nutzer bedeutet das: Er spricht nur mit seinem eigenen Zugangspunkt, und dieser sorgt für die Zustellung an jeden beliebigen Partner im Netzwerk. Man muss also nicht wissen, welche Software oder welchen Dienstleister der Empfänger einsetzt – die Interoperabilität ist durch die gemeinsamen Standards garantiert.

Damit ein Beleg den richtigen Empfänger erreicht, hat jeder Teilnehmer eine eindeutige Peppol-Teilnehmerkennung (Peppol ID), die auf international gebräuchlichen Kennsystemen wie Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, GLN oder Leitweg-ID beruht. Ein zentrales Verzeichnis (SML/SMP) speichert, unter welcher Adresse ein Teilnehmer erreichbar ist und welche Dokumentarten er empfangen kann. Der Access Point des Senders fragt dieses Verzeichnis ab und stellt den Beleg gesichert zu.

Access Point und das AS4-Protokoll

Ein Access Point ist ein zertifizierter Dienstleister oder eine Software, die als Ein- und Ausgangstor zum Netzwerk dient. Die Übertragung zwischen zwei Access Points erfolgt über das standardisierte, verschlüsselte Protokoll AS4. Dieses sorgt für einen sicheren, nachweisbaren Transport inklusive Empfangsbestätigung. Unternehmen betreiben in der Regel keinen eigenen Access Point, sondern nutzen einen bestehenden Anbieter oder eine ERP-Funktion, die diese Rolle übernimmt.

Peppol BIS als Belegvorgabe

Was über das Netzwerk läuft, ist in den Peppol Business Interoperability Specifications (BIS) festgelegt. Für die E-Rechnung baut Peppol BIS auf der europäischen Norm EN 16931 auf und schreibt zusätzliche Prüfregeln vor. Dadurch ist sichergestellt, dass ein über Peppol versendeter Rechnungsbeleg inhaltlich einheitlich strukturiert und für das Empfängersystem eindeutig auswertbar ist.

Warum Peppol wichtig ist

Der zentrale Nutzen von Peppol liegt im Wegfall bilateraler Schnittstellen. Im klassischen elektronischen Datenaustausch musste zwischen je zwei Partnern eine individuelle Verbindung eingerichtet und gepflegt werden – aufwendig, teuer und schlecht skalierbar. Peppol ersetzt dieses Netz aus Einzelverbindungen durch einen einzigen Anschluss: Wer einmal angebunden ist, erreicht jeden anderen Teilnehmer nach denselben Regeln. Das senkt Integrationskosten und macht den Rechnungsaustausch besonders für Unternehmen mit vielen wechselnden Geschäftspartnern effizient.

Hinzu kommt die Verlässlichkeit: Durch verschlüsselten Transport, eindeutige Adressierung und Empfangsnachweise ist der Weg eines Belegs nachvollziehbar und manipulationssicher. Weil Belege strukturiert und normkonform ankommen, lassen sie sich ohne manuelle Erfassung prüfen und verbuchen. In mehreren Ländern ist Peppol zudem der offiziell vorgesehene oder empfohlene Kanal für die öffentliche Beschaffung, sodass Lieferanten der öffentlichen Hand faktisch daran teilnehmen müssen.

Peppol im ERP-System

Für ein ERP-System ist Peppol ein Übertragungskanal, der an die vorhandene Belegverarbeitung andockt. Auf der Ausgangsseite erzeugt das System aus dem Verkaufsbeleg eine normkonforme E-Rechnung im Peppol-BIS-Format und übergibt sie – direkt oder über einen angebundenen Access-Point-Dienst – an das Netzwerk. Weil die relevanten Daten wie Debitor, Positionen und Steuerschlüssel ohnehin im ERP gepflegt sind, entsteht der Peppol-Beleg ohne Zusatzaufwand, sofern Stammdaten und Format korrekt hinterlegt sind.

Auf der Eingangsseite empfängt der Access Point die Belege und stellt sie dem ERP als strukturierten Datensatz bereit. Dort werden sie automatisch den offenen Bestellungen zugeordnet, im Rechnungsworkflow geprüft und an die Finanzbuchhaltung übergeben. Wichtig ist die revisionssichere, GoBD-konforme Archivierung im Originalformat. Viele ERP-Lösungen bilden die Peppol-Anbindung entweder nativ oder über zertifizierte Partner ab; die Verbuchung läuft anschließend über die üblichen Wege wie eine DATEV-Schnittstelle.

Abgrenzung: Peppol, E-Rechnung, EDI und Formate

Peppol wird häufig mit der E-Rechnung gleichgesetzt, beschreibt aber etwas anderes: Es ist das Netzwerk und der Transportweg, während E-Rechnung, XRechnung oder ZUGFeRD das Format des Belegs bezeichnen. Eine E-Rechnung kann über Peppol übermittelt werden, aber ebenso per E-Mail oder Portal-Upload. Umgekehrt transportiert Peppol nicht nur Rechnungen, sondern auch Bestellungen, Auftragsbestätigungen und Lieferavise.

Vom klassischen EDI-Datenaustausch (etwa EDIFACT) unterscheidet sich Peppol durch seinen offenen, standardisierten Charakter: Statt individuell ausgehandelter Verbindungen zwischen großen Partnern nutzt Peppol ein einheitliches, öffentlich zugängliches Regelwerk, das auch für kleinere Unternehmen erreichbar ist. Der Beleg im Peppol-Format XRechnung-kompatibel aufzubauen ist über die Peppol BIS gesichert, weil diese auf der EN 16931 fußen – dem gemeinsamen semantischen Modell hinter den gängigen europäischen E-Rechnungsformaten.

DACH-Besonderheiten: Deutschland, Österreich, Schweiz

Im DACH-Raum ist Peppol unterschiedlich stark verankert. In Deutschland wird es vor allem im Rechnungsverkehr mit der öffentlichen Verwaltung genutzt: Über die Peppol-Anbindung der Verwaltungsportale können Lieferanten XRechnungen zustellen; die Adressierung erfolgt hier oft über die Leitweg-ID des Empfängers. Mit der B2B-E-Rechnungspflicht seit 2025 gewinnt Peppol auch im privatwirtschaftlichen Austausch an Bedeutung, ist dort aber nicht der einzige zulässige Übertragungsweg.

Österreich betreibt für die Bundesverwaltung das Unternehmensserviceportal und akzeptiert Rechnungen unter anderem als Peppol-Beleg. Die Schweiz als Nicht-EU-Land ist an die europäischen Vorgaben nicht gebunden, ist Peppol jedoch beigetreten und nutzt das Netzwerk zunehmend im Austausch mit Behörden und international agierenden Unternehmen. Wer grenzüberschreitend fakturiert, profitiert davon, dass ein einziger Peppol-Anschluss länderübergreifend funktioniert. Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine steuerliche Beratung im Einzelfall.

Praxisbeispiel

Beispiel: Möbelhersteller liefert an die öffentliche Hand

Ein mittelständischer Möbelhersteller gewinnt eine Ausschreibung zur Ausstattung mehrerer Behörden. Die Auftraggeber verlangen die Rechnungsstellung als XRechnung über das Peppol-Netzwerk. Statt für jede Behörde einen eigenen Übertragungsweg einzurichten, bindet der Hersteller sein ERP-System einmalig über einen zertifizierten Access Point an Peppol an und hinterlegt die jeweilige Leitweg-ID der Empfänger.

Bei Fakturierung erzeugt das ERP automatisch eine normkonforme XRechnung im Peppol-BIS-Format und übergibt sie an den Access Point, der sie sicher zustellt und den Empfang bestätigt. Für neue öffentliche Kunden ist kein weiterer technischer Aufwand nötig – der bestehende Anschluss genügt. Eingehende Lieferantenrechnungen im selben Netzwerk werden ebenfalls automatisch eingelesen, geprüft und revisionssicher archiviert.

Häufige Fragen

Peppol steht für „Pan-European Public Procurement OnLine". Der Name verweist auf den Ursprung des Netzwerks in der öffentlichen Beschaffung in Europa. Heute wird Peppol international und auch im B2B-Geschäft genutzt und von der Organisation OpenPeppol weiterentwickelt.
Nein. Peppol ist das Netzwerk und der Transportweg, über den Belege ausgetauscht werden, während E-Rechnung, XRechnung oder ZUGFeRD das Format des Belegs bezeichnen. Eine E-Rechnung kann über Peppol übermittelt werden, aber auch per E-Mail oder Portal. Peppol transportiert zudem weitere Belege wie Bestellungen und Lieferavise.
Der Anschluss erfolgt über einen zertifizierten Access Point – entweder einen spezialisierten Dienstleister oder eine ERP-Funktion, die diese Rolle übernimmt. Nach der einmaligen Anbindung erhält der Teilnehmer eine Peppol-ID und ist über das zentrale Verzeichnis für alle anderen Teilnehmer erreichbar.
Nicht zwingend. Die deutsche B2B-E-Rechnungspflicht schreibt das Format nach EN 16931 vor, nicht aber einen bestimmten Übertragungsweg. Peppol ist ein möglicher, sehr verbreiteter Kanal – gerade im Verkehr mit der öffentlichen Verwaltung –, aber E-Rechnungen dürfen auch anders zugestellt werden.

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