Lager & LogistikZuletzt geprüft: 2026-07-30

Pick & Pack

Pick & Pack bezeichnet den zweistufigen Fulfillment-Prozess im Lager: Zuerst werden die Artikel eines Kundenauftrags aus den Lagerplätzen entnommen (Pick/Kommissionieren), anschließend versandfertig verpackt (Pack). Beide Schritte bilden das Herzstück der Auftragsabwicklung im Versandhandel.

Pick & Pack ist der zweistufige Kernprozess der Auftragsabwicklung im Lager: Im ersten Schritt („Pick") werden die zu einem Kundenauftrag gehörenden Artikel aus ihren Lagerplätzen entnommen und zusammengestellt; im zweiten Schritt („Pack") werden diese Artikel geprüft, in einen geeigneten Karton oder Versandbeutel verpackt, mit Füllmaterial gesichert und mit Lieferschein und Versandetikett versehen. Am Ende steht eine versandfertige Sendung, die an den Paketdienst übergeben wird. Der Begriff stammt aus der Logistik des Versand- und Online-Handels und beschreibt genau die beiden Tätigkeiten, die zwischen Auftragseingang und Warenausgang liegen.

Pick & Pack ist damit der operative Ausführungsteil des Fulfillments – die physische Umsetzung dessen, was das ERP- oder Shopsystem als Auftrag vorgibt. Während die Kommissionierung (Pick) vor allem eine Frage von Wegen, Reihenfolgen und Genauigkeit ist, geht es beim Verpacken (Pack) um Warensicherung, passende Kartongrößen, Versandkosten und einen ordentlichen Auftritt beim Kunden. Beide Schritte gemeinsam bestimmen maßgeblich Lieferzeit, Fehlerquote und Kosten je Sendung.

Auf einen Blick

  • Zweistufiger Lagerprozess: Pick = Kommissionieren, Pack = Verpacken
  • Bindeglied zwischen Auftragseingang und Warenausgang / Versand
  • Operativer Kern des Fulfillments im Versand- und Online-Handel
  • Wird oft von externen Dienstleistern (3PL) übernommen
  • Vom ERP gesteuert: Pickliste, Bestandsbuchung, Versandetikett

Wie funktioniert Pick & Pack im Detail?

Der Prozess beginnt, sobald ein Kundenauftrag im System vorliegt und für den Versand freigegeben ist. Das ERP- oder Lagerverwaltungssystem erzeugt daraus einen Kommissionierauftrag mit Pickliste, die pro Position Artikel, Menge und Lagerplatz nennt. Sind zum Zeitpunkt der Freigabe nicht alle Positionen verfügbar, steuert das System über hinterlegte Regeln zu Teillieferung, Zusammenführung mit weiteren Aufträgen oder Zurückstellung, bevor der Kommissionierauftrag ins Lager gelangt. Von hier laufen die beiden Teilschritte nacheinander ab.

Pick – Kommissionieren

Beim Picken bewegt sich der Mitarbeiter entlang einer system- oder wegeoptimierten Route durch das Lager und entnimmt die benötigten Artikel in der vorgegebenen Menge. Moderne Lager arbeiten dabei beleglos: Der Handscanner oder das MDE-Gerät führt Position für Position, bestätigt per Scan von Lagerplatz und Artikel die richtige Entnahme und verhindert so Verwechslungen. Je nach Volumen kommen Verfahren wie Einzel-, Batch- oder Zonenkommissionierung zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein vollständig zusammengestellter Auftrag, der zum Packplatz gelangt.

Pack – Verpacken

Am Packtisch werden die kommissionierten Artikel gegen den Auftrag geprüft, um Fehlmengen oder falsche Positionen abzufangen. Anschließend wählt der Packer eine passende Verpackung, sichert die Ware mit Füllmaterial gegen Transportschäden, legt Lieferschein und ggf. Beilagen bei und bringt das Versandetikett des gewählten Versanddienstleisters auf. Mit der Abmeldung im System wird der Bestand ausgebucht und der Warenausgang gebucht – die Sendung ist versandfertig.

Warum Pick & Pack wirtschaftlich relevant ist

Pick & Pack ist im Versandhandel einer der personalintensivsten und damit teuersten Prozesse überhaupt – ein Großteil der variablen Logistikkosten je Sendung entsteht genau hier. Gleichzeitig ist es der Prozess, der die Kundenerfahrung unmittelbar prägt: Eine falsch kommissionierte oder schlecht verpackte Bestellung führt zu Retouren, Nachlieferungen, Beschwerden und Reputationsschäden. Wer Pick & Pack beherrscht, senkt also gleichzeitig Kosten und Fehlerquote.

Die entscheidenden Stellhebel sind Genauigkeit, Geschwindigkeit und Material. Ein systemgeführter Scan-Abgleich senkt die Pickfehlerquote drastisch, Batch- und Wegeoptimierung erhöhen die Picks pro Stunde, und die richtige Kartonwahl reduziert Volumen und damit Versandkosten. Gesteuert wird der Bereich über Kennzahlen wie Pickfehlerquote, Kommissionierleistung, Verpackungskosten je Sendung und Durchlaufzeit vom Auftrag bis zum Warenausgang.

Pick & Pack im ERP-System

Der Pick-&-Pack-Prozess ist selten isoliert, sondern eng an das ERP- oder Warenwirtschaftssystem gekoppelt. Das ERP hält den Auftrag, den Artikelstamm mit Verpackungsdaten und den Bestand je Lagerplatz. Es erzeugt die Pickliste, priorisiert Aufträge, schlägt bei Chargen- oder Seriennummernpflicht die zu entnehmende Einheit vor und bucht am Ende Bestand und Warenausgang.

Schnittstellen zu Versand und Shop

Beim Packen greift das System über eine Versandschnittstelle auf die Dienstleister zu, erzeugt Versandetiketten und Tracking-Nummern und spielt Letztere in Shop und Marktplatz zurück, damit der Kunde eine Sendungsverfolgung erhält. Kleinere Händler nutzen dafür das Lagermodul ihres ERP; bei hohem Volumen übernimmt ein spezialisiertes WMS die operative Ausführung und meldet Bestände und Warenausgänge an das führende ERP zurück. Über die API fließen Auftrags-, Bestands- und Versanddaten zwischen Shop, ERP und Lager zusammen.

Abgrenzung: Pick & Pack vs. Fulfillment und Kommissionierung

Die Begriffe überschneiden sich, meinen aber nicht dasselbe. Die Kommissionierung ist ausschließlich der Pick-Schritt – das Zusammenstellen der Artikel. Pick & Pack fasst darüber hinaus auch das Verpacken zusammen und beschreibt somit den kompletten Weg von der Entnahme bis zur versandfertigen Sendung.

Fulfillment ist der weiteste Begriff und umfasst die gesamte Auftragsabwicklung: Wareneingang und Einlagerung, Bestandsführung, Pick & Pack, Versand sowie das Retourenmanagement. Pick & Pack ist also ein zentraler Baustein des Fulfillments, nicht dessen Synonym. Wird die Abwicklung an einen externen Logistikdienstleister (3PL) ausgelagert, spricht man häufig von einem „Pick-&-Pack-Service" – der Dienstleister lagert die Ware ein und übernimmt Kommissionierung, Verpackung und Versandübergabe gegen ein Entgelt je Pick und je Sendung.

Pick & Pack auslagern oder selbst betreiben?

Ob ein Händler Pick & Pack im eigenen Lager betreibt oder an einen 3PL-Dienstleister vergibt, ist eine Kost, Kontroll- und Skalierungsfrage. Eigenbetrieb bietet volle Kontrolle über Verpackung, Beilagen und Markenerlebnis sowie kurze Wege zwischen Vertrieb und Lager – bindet aber Kapital in Fläche, Personal und Technik und skaliert in Saisonspitzen schwer. Fremdvergabe an einen Fulfillment-Dienstleister verwandelt Fixkosten in variable Kosten je Sendung, federt Lastspitzen ab und erspart Investitionen, kostet aber Marge und einen Teil der Kontrolle über das Kundenerlebnis.

Unabhängig von der Entscheidung bleibt die saubere Systemanbindung erfolgskritisch: Bestände, Aufträge und Versandstatus müssen in Echtzeit zwischen Shop, ERP und ausführendem Lager – ob intern oder beim Dienstleister – abgeglichen sein, sonst drohen Überverkäufe und fehlende Sendungsverfolgung. Viele Händler starten im Eigenbetrieb und lagern erst bei wachsendem Volumen aus, während strategische Sortimente bewusst im Haus bleiben.

Praxisbeispiel

Beispiel: Pick & Pack im wachsenden Online-Handel

Ein Onlinehändler für Kosmetik erhält morgens 350 Bestellungen aus Shop und Marktplätzen, die automatisch ins ERP fließen. Das System bündelt die Aufträge, erzeugt Picklisten und schickt die Lagermitarbeiter per Handscanner auf wegeoptimierte Sammelrundgänge (Batch-Kommissionierung). Jeder Artikel wird beim Griff ins Regal gescannt, sodass falsche Entnahmen sofort auffallen.

An den Packtischen prüfen die Mitarbeiter jede Sendung gegen den Auftrag, wählen aus drei Kartongrößen die passende, legen eine Produktprobe als Beilage bei und drucken über die Versandschnittstelle das Etikett des günstigsten geeigneten Dienstleisters. Mit dem Scan der Sendung bucht das ERP Bestand und Warenausgang, die Tracking-Nummer geht automatisch an Shop und Kunden. So verlassen bis zum Mittag alle am Vortag bestellten Pakete das Haus – bei einer Pickfehlerquote deutlich unter einem Prozent.

Häufige Fragen

Pick & Pack ist der Teilprozess aus Kommissionieren und Verpacken. Fulfillment ist der Oberbegriff für die gesamte Auftragsabwicklung inklusive Wareneingang, Einlagerung, Bestandsführung, Pick & Pack, Versand und Retouren. Pick & Pack ist also ein zentraler Baustein des Fulfillments, nicht dessen Synonym.
Externe 3PL-Dienstleister rechnen meist modular ab: eine Grundgebühr für die Lagerfläche, ein Betrag je kommissionierter Position (Pick) und eine Pauschale je verpackter Sendung, zuzüglich Verpackungsmaterial und Porto. So werden Fixkosten in variable Kosten je Bestellung verwandelt, was besonders bei schwankendem Volumen attraktiv ist.
Der wichtigste Hebel ist der beleglose, systemgeführte Scan-Abgleich: Beim Picken werden Lagerplatz und Artikel gescannt, beim Packen die Sendung gegen den Auftrag geprüft. Ergänzend helfen klare Lagerplatzstrukturen, sinnvolle Kommissionierstrategien und ein sauber gepflegter Artikelstamm mit Verpackungsdaten.
Nicht zwingend. Kleinere Händler wickeln Pick & Pack über das Lagermodul ihres ERP oder ihrer Warenwirtschaft ab. Erst bei hohem Sendungsvolumen, mehreren Lagerbereichen, chaotischer Lagerhaltung oder Chargenpflicht lohnt ein dediziertes WMS, das an das führende ERP angebunden wird.

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