Lager & LogistikZuletzt geprüft: 2026-07-31

Pick-by-Voice

Pick-by-Voice ist ein sprachgeführtes Kommissionierverfahren: Lagermitarbeiter erhalten ihre Pick-Aufträge über ein Headset als Sprachansage und bestätigen jede Entnahme per Sprachbefehl – die Hände bleiben frei.

Pick-by-Voice ist ein sprachgeführtes Kommissionierverfahren, bei dem Lagermitarbeiter ihre Aufträge nicht mehr auf Papierlisten oder Displays ablesen, sondern über ein Headset als Sprachansage erhalten. Das System nennt Lagerplatz, Artikel und Entnahmemenge; der Mitarbeiter läuft zum Platz, entnimmt die Ware und bestätigt den Schritt per Sprachbefehl – etwa durch das Vorlesen einer Prüfziffer am Regal. Die Hände und Augen bleiben dabei frei für die eigentliche Kommissionierung.

Technisch ist Pick-by-Voice eine Kombination aus einem mobilen Sprachterminal, einem Headset mit Mikrofon und einer Software, die die Auftragsdaten aus dem Lagerverwaltungssystem (WMS) oder direkt aus dem ERP in gesprochene Anweisungen übersetzt und die Sprachantworten des Mitarbeiters wieder in Datensätze zurückwandelt. Das Verfahren gehört zu den etablierten beleglosen Kommissionierlösungen und wird vor allem dort eingesetzt, wo hohe Pickleistung, niedrige Fehlerquoten und ergonomisches Arbeiten gefragt sind.

Auf einen Blick

  • Sprachgeführte, beleglose Kommissionierung über Headset und Sprachterminal
  • Hände und Augen frei – höhere Pickleistung und weniger Fehler als bei Papierlisten
  • Dialogprinzip: Ansage vom System, Bestätigung per Prüfziffer durch den Mitarbeiter
  • Datenbasis kommt aus WMS oder ERP; Rückmeldung erfolgt in Echtzeit
  • Besonders geeignet für Broken-Case- und Tiefkühl-Kommissionierung

Wie funktioniert Pick-by-Voice?

Pick-by-Voice arbeitet nach dem Dialogprinzip. Das übergeordnete System – ein WMS oder das Lagermodul eines ERP – stellt die Kommissionieraufträge bereit und leitet sie an das Sprachterminal weiter. Dieses wandelt die Daten per Sprachsynthese (Text-to-Speech) in Ansagen um: Der Mitarbeiter hört zunächst den anzufahrenden Lagerplatz. Am Regal angekommen, liest er eine dort angebrachte Kontrollziffer laut vor. Erst wenn diese mit der erwarteten Ziffer übereinstimmt, gibt das System den nächsten Schritt frei und nennt die Entnahmemenge.

Nach der Entnahme bestätigt der Mitarbeiter die Menge per Sprache. Die Spracherkennung (Speech-to-Text) übersetzt die Antwort zurück in einen Datensatz, der sofort an das WMS oder ERP gemeldet wird. So entsteht ein geschlossener Regelkreis aus Ansage, Handlung und Bestätigung, der Schritt für Schritt durch den gesamten Auftrag führt. Weil jede Position einzeln quittiert wird, ist der Bearbeitungsstand jederzeit transparent.

Bestandteile eines Pick-by-Voice-Systems

Ein Pick-by-Voice-Arbeitsplatz besteht typischerweise aus einem tragbaren Sprachterminal (am Gürtel getragen), einem robusten Headset mit geräuschunterdrückendem Mikrofon sowie der Voice-Software. Hinzu kommt die Anbindung an das führende System über WLAN und eine Schnittstelle. Moderne Lösungen laufen auch als App auf handelsüblichen Smartphones oder Wearables und nutzen sprecherunabhängige Erkennung, sodass kein aufwendiges Antrainieren der Stimme mehr nötig ist.

Warum Pick-by-Voice? Nutzen und Relevanz

Der zentrale Vorteil von Pick-by-Voice liegt im freihändigen Arbeiten. Weil der Mitarbeiter weder eine Papierliste halten noch auf ein Display blicken muss, kann er beide Hände zum Greifen nutzen und sich auf den Weg konzentrieren. Das steigert die Pickleistung spürbar und verbessert zugleich die Ergonomie. Studien und Praxisberichte aus der Intralogistik nennen regelmäßig Produktivitätsgewinne im zweistelligen Prozentbereich gegenüber der Papierkommissionierung.

Zweiter Pluspunkt ist die Qualität: Durch die verpflichtende Bestätigung per Prüfziffer sinkt die Fehlerquote deutlich, weil Verwechslungen von Lagerplätzen früh auffallen. Neue Mitarbeiter sind zudem schnell eingearbeitet, da sie einfach den Ansagen folgen – Sprachbarrieren lassen sich über mehrsprachige Ansagen abfedern. Die beleglose Arbeitsweise spart außerdem Papier und Druckkosten und liefert dem ERP in Echtzeit rückgemeldete Bestände.

Pick-by-Voice im ERP- und WMS-Kontext

Pick-by-Voice ist kein isoliertes System, sondern ein Frontend für die Kommissionierung, das seine Daten aus dem führenden System bezieht. In kleineren Betrieben übernimmt oft das ERP selbst die Lagerverwaltung und stellt die Pick-Aufträge bereit; in größeren Lägern sitzt ein spezialisiertes WMS dazwischen, das Wege optimiert, Batch-Picking bündelt und die Voice-Steuerung ansteuert. Entscheidend ist eine saubere Schnittstelle, über die Aufträge heraus- und Bestätigungen zurückfließen.

Für den Betrieb bedeutet das: Artikelstamm, Lagerplätze und Bestände müssen im ERP gepflegt sein, damit die Ansagen stimmen. Die Rückmeldungen aus dem Voice-Dialog aktualisieren Bestandsführung und Auftragsstatus unmittelbar, sodass etwa der Warenausgang und der Lieferschein direkt anschließen können. Viele mittelständische ERP- und Multichannel-Systeme bieten Voice-Anbindungen entweder nativ oder über zertifizierte Logistikpartner an.

Abgrenzung: Pick-by-Voice vs. Pick-by-Light und andere Verfahren

Pick-by-Voice ist eine von mehreren papierlosen Kommissionierstrategien, die sich in der Führungstechnik unterscheiden. Es lohnt der Vergleich mit den gängigen Alternativen, denn kein Verfahren ist universell überlegen – die Wahl hängt von Sortiment, Umschlag und Lagerstruktur ab.

Pick-by-Voice vs. Pick-by-Light

Pick-by-Light führt den Mitarbeiter über Leuchtanzeigen an den Regalfächern zum richtigen Platz; die Menge steht auf einem kleinen Display, die Entnahme wird per Tastendruck quittiert. Es ist extrem schnell an fest zugeordneten Plätzen, aber ortsgebunden und im Aufbau teuer. Pick-by-Voice ist flexibler, weil es kein installiertes Anzeigesystem am Regal braucht und den Mitarbeiter frei durch das Lager führt – ideal für wechselnde oder chaotische Lagerplätze.

Voice gegenüber MDE-Scannern

Die klassische Handscanner-Kommissionierung (MDE) belegt eine Hand mit dem Gerät und erfordert Blickkontakt zum Barcode und Display. Pick-by-Voice hält beide Hände frei und ist bei reinen Entnahmeaufträgen oft schneller. Häufig werden beide Ansätze kombiniert – etwa Voice zur Führung und ein Ring-Scanner zur Seriennummern- oder Chargenprüfung.

Typische Einsatzfelder und Grenzen

Seine Stärken spielt Pick-by-Voice überall dort aus, wo viele Positionen aus Regallägern kommissioniert werden und Hände frei sein müssen: im Lebensmittelgroßhandel, in der Getränkelogistik, in Tiefkühllägern (dicke Handschuhe statt Touch-Display) sowie im Ersatzteil- und Pharmavertrieb. Auch im E-Commerce-Fulfillment mit hohem Sendungsaufkommen ist das Verfahren verbreitet.

Grenzen zeigen sich bei sehr lauten Umgebungen, in denen die Spracherkennung leidet, sowie bei Aufgaben, die zwingend eine visuelle Prüfung erfordern (etwa Qualitätskontrolle nach Aussehen). Für sehr kleine Läger mit wenigen täglichen Picks amortisiert sich die Investition oft nicht – hier bleibt die Papier- oder Scannerlösung wirtschaftlicher. Eine ehrliche Aufwand-Nutzen-Betrachtung vor der Einführung ist daher unverzichtbar.

Praxisbeispiel

Praxisbeispiel: Getränkegroßhandel stellt auf Voice um

Ein mittelständischer Getränkegroßhändler kommissioniert täglich mehrere hundert Filialaufträge aus einem Regallager mit über 3.000 Artikeln. Zuvor arbeitete das Team mit gedruckten Pickzetteln – die Ware musste einhändig gegriffen werden, Zahlendreher bei Lagerplätzen führten immer wieder zu Fehllieferungen und Reklamationen.

Nach der Umstellung auf Pick-by-Voice tragen die Mitarbeiter ein Headset und ein Gürtelterminal. Das WMS übergibt die wegeoptimierten Aufträge, das System sagt Gang und Fach an, der Mitarbeiter liest die Kontrollziffer vor und bestätigt die entnommenen Kästen per Sprache. Die Pickleistung stieg messbar, die Fehlerquote sank deutlich, und die Bestände werden nun in Echtzeit ans ERP zurückgemeldet – der Warenausgang kann direkt anschließen.

Häufige Fragen

Die Kosten setzen sich aus Sprachterminals, Headsets, Software-Lizenzen und der WMS-/ERP-Anbindung zusammen. Für kleine Läger genügen oft App-basierte Lösungen auf vorhandenen Smartphones, was die Einstiegshürde senkt. Die Amortisation hängt stark vom täglichen Pickvolumen ab.
Bei älteren Systemen war ein Sprachtraining nötig. Moderne Pick-by-Voice-Lösungen arbeiten sprecherunabhängig und erkennen jede Stimme ohne Vorlauf. Das erleichtert den Einsatz von Aushilfen und Saisonkräften erheblich.
Ja, geräuschunterdrückende Mikrofone filtern Umgebungslärm heraus. In extrem lauten Bereichen kann die Erkennung dennoch leiden; dort empfiehlt sich ein Test unter realen Bedingungen vor der flächendeckenden Einführung.
Ja, hybride Setups sind üblich. Häufig wird Voice zur Wegeführung mit einem Ring-Scanner für Barcode-, Chargen- oder Seriennummernprüfung kombiniert, um Geschwindigkeit und Nachverfolgbarkeit zu vereinen.

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